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OT-Sicherheit: Was sie ist und wie sie sich von der IT unterscheidet

75 % der Organisationen, die OT-Sicherheits­systeme einsetzen, haben im vergangenen Jahr mindestens einen Sicherheitsvorfall erlebt – ein alarmierendes Zeichen im industriellen Cybersecurity-Umfeld.

Was ist OT-Sicherheit?

OT-Sicherheit (Operational Technology Security) befasst sich mit dem Schutz kritischer Systeme wie DCS, ICS, SCADA und PLC – zentrale Komponenten für den Betrieb kritischer Infrastrukturen, die oft über 30 Jahre im Einsatz bleiben.

Da 30 % der Unternehmen von Ransomware-Angriffen betroffen sind, ist der Schutz von OT-Infrastrukturen für CIOs und CISOs zu einer absoluten Priorität geworden. Die zunehmende Konvergenz von IT und OT schafft neue Schwachstellen und erhöht das Risiko von Angriffen, die nicht nur wirtschaftliche Schäden verursachen, sondern auch Menschenleben gefährden können.

OT-Technologie: Definition und Einsatzbereiche

Was bedeutet OT-Technologie?

Operational Technology (OT) umfasst Hardware und Software, die physische Geräte, Prozesse und Ereignisse in industriellen Infrastrukturen überwachen und steuern. Laut Gartner handelt es sich dabei um Systeme, die „durch Überwachung und/oder direkte Steuerung physischer Geräte, Prozesse und Ereignisse Veränderungen erkennen oder herbeiführen“.

Unterschiede zwischen OT und IT

Im Gegensatz zur Informationstechnologie (IT), die sich primär auf Daten konzentriert, ist OT auf die Steuerung physischer Anlagen und industrieller Prozesse in Echtzeit ausgerichtet. Diese Technologie ist besonders wichtig in Bereichen wie:

  • Industrie und Fertigung
  • Energie und öffentliche Versorgungsbetriebe (Strom, Wasser)
  • Öl und Gas
  • Transportwesen
  • Kritische Infrastrukturen und Smart Buildings

Zu den wichtigsten OT-Komponenten zählen die Industrial Control Systems (ICS), die SCADA-Systeme (Supervisory Control and Data Acquisition) zur Echtzeit-Datenerfassung, DCS-Systeme (Distributed Control Systems) für verteilte Steuerungen sowie PLCs (Programmable Logic Controllers) zur Automatisierung von Prozessen.

Früher waren OT-Systeme vollständig von IT-Netzen und dem Internet isoliert – was eine gewisse „eingebaute“ Sicherheit bot. Mit dem Aufkommen des Industrial Internet of Things (IIoT) hat sich dieses Szenario jedoch grundlegend verändert.

Neue Herausforderungen für die Sicherheit

Die Verbindung von OT- und IT-Umgebungen hat eine vernetzte Landschaft geschaffen, in der industrielle Geräte mit IT-Systemen und externen Netzwerken kommunizieren. Dieses Phänomen, oft als Industrie 4.0 bezeichnet, verbessert Effizienz und Monitoring, öffnet jedoch zugleich neue Angriffsflächen.

Ein typisches Merkmal von OT-Systemen ist ihre lange Lebensdauer: Während IT-Geräte regelmäßig erneuert werden, bleiben OT-Anlagen jahrzehntelang in Betrieb. Aufgrund der hohen Verfügbarkeitsanforderungen sind geplante Abschaltungen für Sicherheitsupdates kaum umsetzbar – was die Absicherung dieser Systeme besonders komplex macht.

OT-Sicherheit: Schutz kritischer Infrastrukturen

Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist heute unerlässlich. Cyberangriffe auf OT-Systeme verändern die Sicherheitslandschaft, erweitern die Angriffsfläche und gefährden industrielle Anlagen und lebenswichtige Dienste.

Cyberbedrohungen in strategischen Sektoren

Zu den sogenannten „CISA 16“-Sektoren zählen essenzielle Dienste wie Stromversorgung, Wasser, Transport und Gesundheitswesen. Sie bilden das Rückgrat moderner Gesellschaften – und sind daher ein bevorzugtes Ziel für Angreifer. Ein Ausfall kann verheerende Auswirkungen über das betroffene Unternehmen hinaus haben.

Das Bedrohungsbild ist besorgniserregend: Ransomware gilt als globale Gefahr und trifft vor allem die Fertigungsindustrie, die für 71 % der gemeldeten Vorfälle verantwortlich ist. Ein prägnantes Beispiel ist der Colonial-Pipeline-Angriff (2021), der zeigte, dass schon ein IT-Vorfall ausreichen kann, um OT-Prozesse präventiv zu stoppen.

Der mehrstufige Ansatz in der OT Security

Um OT-Umgebungen wirksam zu schützen, ist es unerlässlich, einen mehrstufigen Ansatz in der OT Security zu verfolgen, der Folgendes umfasst:

  • Kontinuierliche Risikobewertung, um spezifische Schwachstellen zu identifizieren
  • Schulung des Personals und Sensibilisierung für OT Security, auch durch strukturierte Programme für digitale Hygiene
  • Strukturierte Zusammenarbeit zwischen IT- und OT-Teams
  • Detaillierte Planung der Betriebskontinuität

Darüber hinaus ist ein vollständiges Inventar aller Geräte unerlässlich, um die tatsächliche Angriffsfläche zu verstehen und gezielte Kontrollen zu implementieren.
Organisationen müssen sich außerdem an Regelwerke wie NIST und NERC halten – diese sollten jedoch als Mindestanforderungen an die Sicherheit betrachtet werden.

Cyber Threat Intelligence (CTI) spielt eine entscheidende Rolle, da sie es Unternehmen ermöglicht, proaktiv aufkommende Bedrohungen, Zero-Day-Schwachstellen und laufende Angriffskampagnen zu identifizieren.
Aufgrund der zunehmenden Vernetzung zwischen IT- und OT-Systemen ist die Einführung kontinuierlicher Überwachungsmechanismen unerlässlich, um verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen, die Betriebskontinuität zu gewährleisten und lebenswichtige Dienste des täglichen Lebens zu schützen.

Grundlegende Unterschiede zwischen OT Security und IT Security

Unterschiedliche Prioritäten beim Schutz von Systemen

Im Vergleich zwischen IT-Sicherheit und OT-Sicherheit treten wesentliche Unterschiede zutage, die spezifische Ansätze erfordern.
Während sich diese beiden Welten zunehmend annähern, bleiben ihre Grundprinzipien dennoch klar voneinander getrennt.

Zunächst unterscheiden sich die Schutzprioritäten erheblich.
IT Security konzentriert sich in erster Linie auf die Vertraulichkeit von Informationen, um sensible Daten vor unbefugtem Zugriff zu schützen.
OT Security hingegen stellt die Verfügbarkeit als oberste Anforderung, um die Business Continuity industrieller Prozesse sicherzustellen.
In OT-Umgebungen kann ein Systemausfall katastrophale Folgen haben – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in Bezug auf die physische Sicherheit von Personen.

Operative und risikobasierte Unterschiede

IT-Systeme zeichnen sich durch eine hohe Vernetzung, häufige Updates und kurze Lebenszyklen aus.
OT-Geräte hingegen sind traditionell isoliert, verfügen über Lebenszyklen von mehreren Jahrzehnten und werden nur selten mit Sicherheits-Patches aktualisiert.
Der Grund: Ein Update in einer OT-Umgebung kann den gesamten Produktionsprozess zum Stillstand bringen – mit erheblichen wirtschaftlichen Verlusten.

Auch die Betriebsumgebungen unterscheiden sich grundlegend:
IT-Systeme verwenden hauptsächlich Standardprotokolle wie HTTP, RDP und SSH, während OT-Systeme häufig proprietäre oder Legacy-Protokolle nutzen, die mit herkömmlichen Sicherheitstools nur schwer analysierbar sind.

Die Auswirkungen von Bedrohungen verlaufen ebenfalls unterschiedlich:
In der IT kann ein Angriff sensible Daten gefährden und Reputations- oder Finanzschäden verursachen.
In der OT hingegen können die Folgen auf die physische Welt übergreifen – etwa durch Unterbrechungen essenzieller Dienste, Beschädigung von Anlagen oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

Strategien des Risikomanagements

Das Risikomanagement spiegelt diese Unterschiede wider:
Während die IT kurze Ausfallzeiten zur Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in Kauf nehmen kann, benötigt die OT Lösungen, die einen kontinuierlichen Betrieb gewährleisten.
Daher ist die Überwachung des Netzwerkverkehrs in industriellen Umgebungen entscheidend, um Anomalien zu erkennen, ohne die Betriebsprozesse zu stören.

Trotz dieser Unterschiede führt die zunehmende Konvergenz von IT und OT zu neuen Herausforderungen, die einen integrierten Sicherheitsansatz erfordern, der die Besonderheiten beider Welten respektiert.

Die Bedeutung der OT Security für Unternehmen

Eine strategische Investition in die Resilienz

Investitionen in OT Security sind keine bloßen Betriebskosten, sondern eine strategische Entscheidung von zentraler Bedeutung für die Nachhaltigkeit und Resilienz von Unternehmen.
Laut dem IBM Cost of a Data Breach Report 2024 liegt die durchschnittliche weltweite Schadenssumme pro Datenvorfall bei 4,88 Millionen US-Dollar, während sie für Industrieunternehmen in Italien auf über 5 Millionen Euro geschätzt wird.

Zusammenarbeit zwischen Teams und NIS2-Konformität

Die kürzlich in Kraft getretene NIS2-Richtlinie hat die Klassifizierung kritischer Infrastrukturen erweitert und neue Sicherheits- und Berichtspflichten eingeführt.
Diese Verordnung schreibt eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen dem Security Operations Center (SOC) und der Nationalen Agentur für Cybersicherheit (ACN) vor.
Unternehmen müssen daher in angemessene Kommunikationsinfrastrukturen investieren, um die NIS2-Konformität sicherzustellen.


Ein entscheidender Faktor für eine stärkere Sicherheits­haltung ist die Zusammenarbeit zwischen IT- und OT-Teams. Derzeit arbeiten laut 41 % der Unternehmen diese Gruppen noch unabhängig voneinander.
Organisationen, in denen eine effektive Kooperation besteht, verzeichnen jedoch eine höhere Implementierung von Cybersecurity-Lösungen und ausgereiftere Sicherheitsstrategien.

Das Bewusstsein für Risiken ist der wahre Motor, der unternehmerische Entscheidungen lenken sollte.
Die zentrale Frage, die sich jedes Unternehmen stellen muss, lautet: Was verliert man, wenn die Anlage stillsteht?
Diese Überlegung sollte Investitionen in OT Security leiten – nicht nur als gesetzliche Pflicht, sondern als strategische Chance, um Cyber Resilience, operative Kontinuität, Wettbewerbsfähigkeit und den Schutz der Unternehmensreputation dauerhaft zu gewährleisten.